Kommentar zum "Neustart Kultur"

Grütters' Millionen machen mobil

27. August 2020
von Torsten Casimir

Okay, es wird ein bisschen anstrengend. Und unmittelbarer Lustgewinn steht bei dieser Arbeit nicht in Aussicht. Umso mehr ein mittelbarer.

Bürokratie lohnt sich - diesmal

Antragsformulare ausfüllen, Anlagen beifügen, manche hochladen, andere unterschreiben und auf den Postweg bringen, Bilanzen und Handelsregisterauszüge beschaffen: Bevor der Bund Steuergelder an private Unternehmen ausreicht, um damit Konjunkturimpulse zu setzen, muss er bestmöglich sicherstellen, dass die so gedachte Förderung auch ihre beabsichtigte Wirkung erzielen kann. Deshalb ist Bürokratie manchmal unvermeidbar.

Die Mühen des staatlichen Antragswesens auf sich zu nehmen, lohnt sich aber im konkreten Fall. Und das nicht nur, weil am Ende ein paar tausend Euro für wichtige Investitionen winken. Das Programm folgt Fördergrundsätzen, die sich wie ein Katalog guter Vorsätze zur weiteren Geschäftsentwicklung von Buchhandlungen und Verlagen lesen. Wenn die Sache günstig läuft, entfalten die Staatshilfen ihr Potenzial zur Selbstmobilisierung der Empfänger.

Ohne IT ist (fast) alles nichts

Der Auf- und Ausbau digitaler Vertriebswege im stationären Buchhandel ist heute wichtiger denn je. Die Pandemie geht wohl so schnell nicht wieder weg. In Zeiten, in denen es also absehbar heikel und unangenehm bleibt, sich mit vielen anderen Menschen zu Einkaufszwecken in geschlossenen Räumen aufzuhalten, werden sich Kundinnen und Kunden gerne auch online informieren und versorgen. Sie werden nach ansprechenden Homepages schauen, werden dankbar sein für eine gute Nutzbarkeit von Webshops, werden sich anregen lassen von einem lebendigen Social-Media-Angebot ihrer Buchhandlung. Zeitgemäße Kassensysteme und eine intelligente Warenwirtschaft helfen dem Geschäft enorm. Es gilt, in Abwandlung eines bekannten Spruch-Musters: IT ist nicht alles, aber ohne IT ist (fast) alles nichts.

Der Buchhandel ist in all diesen Themen schon weit vorangekommen. Das bescheinigen Einzelhandelsexperten seit Jahren. Aber auch die Guten können besser werden. Dazu braucht es finanzielle Spielräume für die Beauftragung von Dienstleistern und für den Ausbau eigener Online-Kompetenz. Hier setzen die Bundes-Millionen an: Sie werden für Investitionspläne vergeben, die den Eindruck vermitteln, dass sie ergiebig sind. Dass sie helfen, die Wettbewerbsfähigkeit eines Geschäfts zu stärken. In weiterer Folge stärkt der Bund damit die kulturelle Infrastruktur des Buchmarkts.

Die Pandemie geht wohl so schnell nicht wieder weg.

Torsten Casimir

Was könnte ich jetzt gut gebrauchen?

Insoweit haben die Förderkriterien der Staatsministerin für Kultur und Medien auf jeden Antragsteller auch eine mobilisierende Wirkung: Man muss Eigenmittel einbringen, man muss seine Ideen und Absichten einleuchtend formulieren und wirtschaftlich begründen. Man treibt, um einen Antrag erfolgversprechend vorzubereiten, im Grunde nichts anderes als Business Development und Marktanalyse. Etwas griffiger, lautet die vom Bund getriggerte Frage: Was könnte ich jetzt richtig gut gebrauchen, damit meine Geschäfte (weiter-)laufen?

Die 20 Millionen Euro des BKM dienen nicht der Reparatur entstandener Schäden. Sie dienen dem Aufbau von wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit in einer Zukunft, die der Vergangenheit unähnlicher sein könnte, als uns allen lieb ist.

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