Unabhängier Buchhandel

Die Marken vor Ort

18. Dezember 2020
von Börsenblatt

Der Independent-Buchhandel fährt gerade reiche Ernte ein. Was kann man von ihm lernen? Das fragt ein Projekt der Buchwissenschaft an der LMU. Andreas Meyer über Erfolgsfaktoren der Unabhängigen.

Andreas Meyer

Ist uns das Spektakuläre eigentlich bewusst? Jetzt im Frust des neuen Shutdowns? Buchhändler lassen, wie Media-Control-Zahlen für Anfang Dezember belegen, alle anderen Branchen hinter sich. Bisher belächelt, sind Independents heute Trendsetter. Warum?

Ist ein Blick in eine andere Branche erlaubt? Als ein schwedischer Möbelladen kürzlich den Tod seines Katalogs verkündete, war in der SZ zu lesen: »Ikea hat aufgehört, anders sein zu wollen.« Wie halten es damit die Konzernverlage, die ­Ketten? Und wie die Independents?

Fragen wie diese sind Ausgangspunkt für ein Projekt, das die Ursachen für den unerwarteten Erfolg unabhängiger Buchhandlungen untersucht: Wer und was macht den Unterschied? Ich lade Sie ein, es mit einem Perspektivwechsel zu probieren: Wie sieht die Buchbranche durch die Brille unserer Kund*innen aus? Ich versuche es – inspiriert von Thilo Schmids knackigen »Take Five«-Thesen – mit fünf Fragen:

  1. Was unterscheidet Buchhandlungen? 
  2. Was finden Leser*innen am Buchhandel sympathisch? 
  3. Welche Leistungen stechen heraus? 
  4. Was bindet Leser*innen?
  5. Was wollen Leser*innen unbedingt?

Dazu habe ich zwei Vermutungen: 

These 1: Independents sind sehr eng mit ihren Kund*innen verbunden. 

These 2: Loyalität, also Kundenbindung, entstand nicht durch Corona, sondern davor.

Die Loyalität der Kunden entstand nicht durch Corona, sondern davor.

Andreas Meyer

Nur: Wie können wir das besser verstehen? Independent-Buchhändler sind meist »local Heroes«. In Zeiten von Corona wurden sie Kult, wurden noch mehr zu Marken vor Ort. Was zeichnet sie als Marken aus? Nicht Bücher (die gibt es überall), sondern Relevanz. Unsere neugierige Frage: Welche Konzepte sorgen für diese hohe Relevanz? 

Die eigentliche Attraktivität, der wuchtigste USP der Buchbranche wird gern übersehen: Es sind die Vielleser*innen. Sie sind engagiert, sie sind Vorbilder, sie sind sympathisch. Wie haben Sie sie gebunden? Haben Sie mitgezählt, wir sind bereits bei Frage 2. 

Erfolgreiche Buchhandlungen sind nie langweilig. Sie bieten immer Stimulanz, aber wie – Frage 3 –, auf welche besondere Weise? »Fair« ist der Wertekontext: überall der gleiche Preis. Klar, das ist die Basis. Danach geht das Feuerwerk vor Ort erst richtig los – aber wie? Independents schaffen das übrigens nur durch moderne Rationalisierung, durch Verbundsysteme wie Anabel. Das weiß in der Branche nicht jeder.

Frage 4 zu den Bindungskräften: immateriell und unbezahlbar – Glaubwürdigkeit. Das ist der wunde Punkt aller Ketten, speziell der die Buchbranche destabilisierenden Monster-Zusammenschlüsse. Verraten Sie uns: Warum nehmen Ihre Kund*innen Sie als integer wahr?

Schließlich Frage 5: Independents sind inzwischen richtig »­dicke« mit ihren Kund*innen, einzigartig im Vergleich zu anderen Branchen. Auf welche Weise integrieren Sie Ihre Leser*innen, wie lassen Sie sie mitwirken?

Sie haben völlig andere Fragen, andere Erfahrungen? Wir sind gespannt, welche. 

ANGEBOT ZUR TEILNAHME AN DER STUDIE

Die Initiative »Erfolgreich während Corona?! – das Lockdown-Geheimnis entschlüsseln« unter Leitung von Andreas Meyer, Verlagsconsult, und Estelle Traxel, Hugendubel, führt mit Studenten der LMU Ende Januar 2021 Interviews durch. Sie machen mit? Senden Sie bitte bis 31.12. eine E-Mail an Friedericke Eickelschulte, eickelschulte@buchhandel-bayern.de.

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